Synthetische Personas in der Marktforschung: Wie KI die Marktforschung im Telekommunikationsmarkt beeinflusst
- Patrick Kocher
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit

Gerne teile ich, Patrick Kocher meine Erfahrungen aus der Ausbildung „CAS AI for Business” und der damit verbundenen Transferarbeit zur Marktforschung mit synthetischen Personas. Ich freue mich auf angeregte Diskussionen zum Thema.
Die Marktforschung steht vor einem Paradigmenwechsel.
Traditionelle Methoden wie Umfragen oder Fokusgruppen sind oft teuer, zeitaufwendig. Doch was, wenn es eine schnellere, kostengünstigere und dennoch valide Alternative gäbe?
Synthetische Personas, die auf künstlicher Intelligenz basieren, könnten die Lösung sein. In diesem Blogbeitrag zeige ich, wie ich mithilfe von KI-generierten Personas die Wechselbereitschaft für Telekommunikationsangebote validiert habe und warum dies die Marktforschung der Zukunft prägen wird.
Die Marktforschung ist ein zentraler Baustein für die Produktentwicklung und Kundenansprache. Doch klassische Methoden stossen an ihre Grenzen: Hohe Kosten: Eine fundierte Persona-Erstellung und qualitative Umfragen sind insbesondere für kleinere Unternehmen mit hohen Kosten verbunden Zeitaufwand: Qualitative Umfragen mit Fokusgruppen benötigen Wochen der Vorbereitung und Auswertung. Hypothetical Bias: Befragte antworten oft anders, als sie sich tatsächlich verhalten.
Hier setzt der Einsatz synthetischer Personas an. Sie basieren auf Large Language Models (LLMs) und ermöglichen hochkomplexe Marktsimulationen, die schneller, günstiger und skalierbarer sind als herkömmliche Befragungen.
Wie die synthetische Personas in meinem Proof of Concept funktionieren:
Vom Archetyp zur validen Stichprobe. Synthetische Personas sind keine oberflächlichen Profile, sondern tiefe, attributreiche Repräsentationen von Zielgruppen. In meiner Transferarbeit habe ich vier Archetypen entwickelt, die die Schweizer Sinus-Milieus im Telekommunikationsmarkt abbilden:
Archetyp | Sinus-Milieu | Anteil in der Schweiz |
Nina Rossi | Pragmatische Alltags-Optimiererin | 40 % |
David Schmid | Werte- & Digital-Pionier | 30 % |
Claudia Steiner | Service- und Heimatverbundene | 20 % |
Luca Meier | Budget-smarter Hedonist | 10 % |
Diese Archetypen wurden mithilfe von KI geklont und zu einer synthetischen Stichprobe von 100 Personas erweitert. Das Ergebnis ist eine valide Abbildung des Schweizer Telekommunikations-marktes ohne echte Probanden, aber mit realistischen Antwortmustern für eine qualitative Befragung.
Doch wie gut sind synthetische Personas wirklich? Um die Validität der Methode zu prüfen, habe ich die von der KI generierten Antworten mit echten Umfragedaten aus durchgeführten Marktstudien verglichen beziehungsweise den synthetischen Personas die gleiche Frage gestellt und die Resultate verglichen. Folgendes Ergebnis konnte ich dabei festhalten:
Die Antworten der synthetischen Personas stimmten mit den echten Daten grösstenteils überein.
Unterschiede gab es vor allem in der Streuung der Antworten: Echte Befragte zeigen mehr Ambivalenz, während synthetische Personas tendenziell konsistentere Antworten liefern.
Mein Fazit: Synthetische Personas eignen sich gut für qualitative Vorabanalysen und die Generierung von Hypothesen. Insbesondere in der quantitativen Marktforschung muss der Nachweis noch erarbeitet werden.
Der Proof of Concept
Das gesamte Mafo-Konstrukt wurde mit mehreren KI-Agenten und Szenarien automatisiert zusammengestellt, sodass ich die Frage in ein einfaches Online-Eingabefeld stellen konnte. Da der Marktforschungsagent jeden Kunden einzeln befragt, dauert der gesamte Prozess ein paar Minuten, bis die Ergebnisse und ein umfangreiches Dashboard zur Verfügung stehen.
Als Proof habe ich die Wechselbereitschaft für den virtuellen Telekommunikationsanbieter «joloocom» abgefragt. «joloocom» ist ein „Purpose-driven“ Telekom-Anbieter. Ich habe die Methode auf einen konkreten Use Case angewendet: «joloocom» ist der erste „Purpose-driven“ Telekommunikations-anbieter der Schweiz und investiert 10 % jedes Abo-Umsatzes in soziale und ökologische Projekte. Die abgekürzte Frage an die synthetischen Personas lautete: „Würden Sie zu «joloocom» wechseln?”
Die Ergebnisse in kürze:
32 % der Personas würden sofort wechseln. 56 % fanden das Angebot attraktiv, hätten aber Barrieren (z. B. Wechselaufwand, Bindung an den aktuellen Anbieter). Nur 12 % zeigten kein Interesse.
Haupttreiber für einen Wechsel:
Der CSR-Ansatz (10 % für soziale/ökologische Projekte). Das Preis-Leistungs-Verhältnis (50 GB für 25 CHF).
Grösste Hürden:
Wechselaufwand (Portierung der Nummer, Vertragsbindung).
Zweifel an der Transparenz der Projekte.
Mein Fazit und warum synthetische Personas die Marktforschung verändern werden
Synthetische Personas bieten entscheidende Vorteile:
· Geschwindigkeit: Ergebnisse in Minuten statt Wochen.
· Kosteneffizienz: Keine teuren Panels oder aufwendigen Feldtests.
· Skalierbarkeit: Selbst Nischensegmente lassen sich präzise analysieren.
Doch es gibt auch Grenzen:
· Emotionale Tiefe: KI kann (noch) nicht die volle Bandbreite menschlicher Entscheidungen abbilden.
· Kontextabhängigkeit: Antworten sind konsistenter, aber weniger ambivalent als in der Realität.
Synthetische Personas werden die Marktforschung nicht ersetzen, sondern verändern. Sie sind das perfekte Werkzeug für:
· Schnelle Hypothesentests
· Feedback zu Produkten und Promotionen
· Kundenverhalten und Wechselbereitschaft
· Qualitative Voranalysen
· Kostengünstige Simulationen
Die klassische Marktforschung ist jedoch auch heute noch unverzichtbar, insbesondere für strategische Letztentscheidungen mittels quantitativer Marktforschung.



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